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Bali
Text: Joyce Frey
Reisezeit: Februar 1997

 

 

Start Indonesien

Java

Sumatra

 
Ich hatte mir selbst versprochen zwei Wochen lang ein faules Leben zu geniessen nach den zwei mühsamen Reisewochen, die hinter mir lagen. Am ersten Tag gelang es mir noch, mein Versprechen zu halten. Ich genoss das Faulenzen im Garten des Hotels am Sanurbeach. Gelegentlich schlief ich sogar unter den Blättern der Palmen ein. Am zweiten Tag ging ich spazieren und mir die Umgebung ansehen. Überall vor den Geschäften und Häusern lagen kleine, aus Palmenblättern geflochtene Körbchen mit Opfergaben darin. Einige enthielten Blumen, andere Früchte oder ein paar

Münzen. Ich musste aufpassen, nicht auf die Opfergaben zu treten, denn dann würden die Götter mir nicht mehr gnädig sein. Zwischen den Spaziergängen legte ich mich wieder an dem Strand um zu faulenzen. Doch am dritten Tag spürte ich wieder den Drang etwas zu unternehmen. In einem Katalog hatte ich über verschiedene Ausflüge gelesen. Ich besuchte die Vertreterin des Reiseunternehmers um einen Ausflug zu buchen. Am nächsten Tag konnte ich mit zwei Amerikanern einen Trip machen, der unter anderem die Elefantengrotte beinhaltete. Ich nahm das Angebot sofort an.
Am Morgen holte ein junger Mann mich ab und wir fuhren zu einem teuren Hotel um das Pärchen abzuholen. Zuerst fuhren wir zu einem Theater um balinesische Tänze zu bewundern. Das Theater befand sich unter freiem Himmel. Die Tribüne füllte sich mit Menschen aus allen Nationen. Die Schau begann. Die Klänge welche die Musiker herbeizauberten, tönten schrecklich. Ich dachte, jeder würde nach seinem eigenen Geschmack spielen, denn die Töne passten keineswegs zusammen. Auch die Tänze glichen eher einer blöden Schau. Das einzig Lustige fand ich die Hühner, die auf die Bühne gekommen waren und den Schauspielern das Leben schwer machten. Ich konnte ein Schmunzeln nicht verkneifen als ich bemerkte, wie die Schauspieler versuchten, die Viecher wegzutreten. Nach der Schau fuhren wir zu einem kleinen Dorf, wo jedes Haus seinen eigenen Altar hatte. Danach  ging es zu einem Silberschmied und in eine Holzschnitzerei. Natürlich sollte man dort etwas kaufen. Aber keiner von uns zeigte Interesse. Dann ging die Tour weiter nach

Bedula zur Elefantengrotte. Der Himmel hatte sich inzwischen schwarz gefärbt.

Strand bei Sanur

Nichts vom blauen Himmel  wie in den Urlaubsprospekten war noch zu erkennen. Vor der Grotte lag ein Schwimmbad mit faulem Wasser. Einst gehörte diese Anlage zu einem buddhistischen Kloster. Es sollte schon über tausend Jahre alt sein, aber keiner vermochte genau zu sagen wie alt die Anlage wirklich ist. Wir standen vor dem Schwimmbad als es zu regnen begann. Es gelang uns noch, unter ein Dach zu rennen, bevor der Regen in Strömen fiel. Als es weniger wurde, gingen wir zum Auto.
Die Strassen waren wie Bäche geworden. Sogar meine Hosen waren bis zu den Knien nass geworden. Im Auto befreite ich mich von meinen Schuhe, die ich auf den Kopf stellten um das Wasser heraus zu lassen. Der Himmel war zwar noch bewölkt, aber es regnete nicht mehr, als wir Lake Batur, einen Kratersee mit zwei .

Lockere Tänzerin

Vulkanen, erreichten. Danach wurde uns ein Tempel gezeigt von dem nicht viel
mehr übrig war. Nur die Goldfische im Weiher schienen noch sehr lebendig zu sein
Die nächsten zwei Tage regnete es beinahe ununterbrochen.
Ich machte kurze Spaziergänge oder las in meinem Buch auf der Terrasse vor meinem Zimmer.
Am zweiten Regentag ging ich gegen Abend zum Strand um zu sehen, ob dort etwas los war. Und siehe da! Dort waren Menschen. Unter einen Plastikplane, die über Stangen gespannt war, wurde von einigen Männern Musik gemacht.
Andere verteilten Becher mit Kokosmilch und Melonenscheiben. Obschon ich unter einen Regenschirm stand, fand ich es richtig gemütlich hier. Am nächsten Tag schien die Sonne, als wäre es nie anders gewesen. Ich konnte meine Terrasse und den Strand nicht mehr ertragen. Ich musste weg.
Auf der Strasse traf ich einen Taxichauffeur, mit dem ich schon öfter geredet hatte. Er stand auf seinem gewohnten Platz. Ich fragte nach dem Preis für eine Fahrt nach Uluwatu. Ich beschwerte mich, weil er zu teuer war.
Als er den Preis senkte, sagte ich, dass er fahren konnte mit der Bedingung, mir die Zeit zu geben die Anlage anzusehen und mich zurück zu fahren. Ketut war einverstanden. Ich stieg ein. Als wir so nahe wie möglich an die Anlage heran gekommen waren, sagte Ketut, dass ich allein weiter gehen müsste, denn er trug Jeans. Seine Glaube erlaubte es ihm nur, im Sarong die Anlage zu betreten.
Für mich war das kein Problem. Schon schnell stand ich vor den Treppen die hinauf führten. Ich sammelte allen Mut zusammen um die vielen Stufen hinauf zu steigen.
Es war ziemlich verlassen hier.
Kein einziger Tourist war zu sehen.
Als ich den höchsten Punkt erreicht hatte, sah ich in der Tiefe wie das leuchtend blauen Wasser in Wellen an den Felsen zerplatzte. Links von mir sassen

einige Mönche beim Gebet. Dieser Teil war für den Touristen gesperrt.

Tempel Uluwatu

Nachdem ich mich umgesehen hatte, ging ich wieder nach unten und sah den Affen zu, die hier herum rannten. Ich versuchte einige zu fotografieren.
Doch bevor ich meine Kamera ausgepackt hatte, waren sie verschwunden. Unten angekommen stand ein Pärchen aus Malaysia da. Wir kamen ins Gespräch.
Der Mann erzählte stolz, dass er in der Schweiz gewesen war. Bevor sie nach oben gingen, warnte er mich davor, dass die Affen hier sehr aggressiv waren. Ich dankte ihm für den Hinweis und dachte: „Wie kann man bloss Angst vor den netten Tierchen haben?“ Mein Blick traf auf einen Affen der auf einem geparkte Motorrad sass und versuchte die Maschine zu demolieren.
Ich musste schmunzeln, doch nur sehr kurz. Ich bekam einen Schlag auf meine Schultern und begriff nicht was los war. Dann sah ich eine kleine, braune, runzlige Hand vor meinen Augen und plötzlich war meine

Niedliches Äffchen

Brille weg. Verschleiert konnte ich noch sehen, wie ein Affe mit meiner Brille
davon rannte. Ich rannte hinterher, denn ohne Brille sah ich nicht viel. Vor Schreck liess das Tier mein dringend benötigtes Eigentum fallen. Ich hob es auf und setze es wieder auf die Nase. Die Welt war klarer geworden. Ich ging zurück zur Treppe und hoffte Ketut zu finden. Erneut gab es einen Schlag auf meine Schultern. Nun war es mir klar, dass es wieder der Affe sein musste. Bevor er eine Chance hatte meine Brille wieder zu nehmen, riss ich sie von meinem Gesicht und steckte sie eiligst in die Tasche. Der Affe blieb aber auf meinem Genick sitzen. Ich blieb stocksteif stehen, denn ich befürchtete, wenn ich ihm mit Gewalt davon jagen sollte, würde er mich beissen. Und ein Affenbiss kann böse Folgen haben. Es schien mir eine Ewigkeit zu dauern, dass  ich wie versteinert dort stand. Wahrscheinlich waren es aber nur wenige Minuten gewesen, als ein Einheimischer kam der das Monster von meinem Hals verjagte. Von diesem Moment an sah ich in Affen keine niedlichen Tierchen mehr, sondern nur noch als raubgierige Ungeheuer. Ich lief zum
Parkplatz, wo Ketut wartete. Als er mein schmutzige T-Shirt sah, fragte er, was geschehen war. Ich erzählte ihm die Geschichte Einige Tage später ging ich wieder mit Ketut. Zuerst fuhren wir nach Penelokan, um den Tempel zu sehen. Dann weiter nach Batur und zum Bratansee mit den Vulkanen dahinter. Der letzte war 1963 ausgebrochen. Die verbrannte Erde und Bäume darunter waren noch gut zu erkennen. Weiter ging es nach Bedugul.
Wieder besuchte ich einen Tempel und auch in Margarane war ein Tempel zu besichtigen. Doch jeder war anders. Schliesslich fuhren

 wir zu einem romantischen Park, wo wir beinahe alleine waren.

Lake Bratan bei Batur

Nach einer lange Reise waren wir in Tabanan angekommen. Auf einem Wegweiser hatte ich den Ort „Tanah Lot“ gesehen. Darüber hatte ich gelesen und wollte dahin fahren. Ketut schüttelte verzweifelt den Kopf. Aber er hatte gesagt, dass ich die Route bestimmen konnte. Also fuhren wir dahin. Der Tempel stand auf einem Felsen im Meer. Ketut konnte natürlich nicht mitkommen, weil er Jeans trug. So ging ich alleine hin. In einer Strasse davor waren viele Verkaufstände, wo alles erhältlich war.

Obschon ich schon viele Tempel gesehen hatte, fand ich doch jeden von neuem faszinierend.  Wieder verbrachte ich einige Tage am Strand und im Ort. Dann wollte ich Ketut erneut einen Auftrag geben. Aber der musste zu seinem Vater, der in Depensar im Krankenhaus lag. Ich suchte nach einem anderen Chauffeur, der mich nach Besakih fuhr. Dort angekommen, musste ich noch weit laufen um die Tempelanlage zu erreichen. Es war ziemlich heiss und ich hatte wenig Lust, nach oben zu gehen. Ein Motorradfahrer hielt neben mir an und sagte, er wollte mich für einen Dollar nach oben fahren.
Ich nahm sein Angebot gerne an. Oben angekommen stieg ich ab und überreichte ihm den Dollar. Doch diese wollte er nun nicht mehr, er wollte Rupien. Ich hatte kein Kleingeld und gab ihm eine grössere Note. Natürlich hatte auch er kein Kleingeld, er musste wechseln gehen. Er riss mir den Schein aus der Hand und verschwand. Ich schrie ihm nach, dass er ein Gauner sei.

Tempelanlage Besakih

Da ich keine Hoffnung mehr hatte, mein Geld

zurückzubekommen, lief ich mit dem Strom Menschen mit nach oben. Dort hielt mich ein alter Mann an der fragte, ob ich einen Führer brauche. Ich war immer noch verärgert und sagte:“ Nein.“ Er folgte mir trotzdem und sagte, dass dies ein alter Tempel ist. Daran zweifelte ich nicht. Er sagte, es sei der grösste Tempel Balis. Auch das wusste ich. Dann griff er

nach meiner Kamera und machte ein Bild von mir. Ich riss die Kamera wieder aus seiner Hand und verstaute sie in meiner Tasche. Zu ihm sagte ich:“ Ich brauche keinen Führer.“Immer wieder sagte der Alte, dass dies ein alter Tempel sei. Mehr hatte er nicht zu berichten. Ich begann ihm zu ignorieren.
Dann hielt er mich an und verlangte 20 Dollar. Ich gab ihm ein paar Rupien und enttäuscht verschwand er.
Ich sah mir die Anlage alleine in aller Ruhe an. Sie war schön, doch zwischen den Tempeln standen viele Verkaufstände, die mich an eine Kirmes denken liessen. Als ich alles bewundert hatte schlenderte ich nach unten. Beim 
Parkplatz winkte Mayang mir schon von weitem zu.

Als ich später in mein Zimmer trat war ich überrascht von den

Übersicht Tempelanlage Berakih

 vielen Blumen, die darin standen. Made, mein Zimmerboy, brachte mir täglich Blumen und frische Früchte. Er kam gerne wenn ich mich darin aufhielt, um zu reden. Doch dieses Mal war ich wirklich mehr als überrascht. Denn neben meinen Bett stand eine

grosse Vase mit Blumen und einige lagen auf meinem Kopfkissen. Gelegentlich gab ich dem Jungen ein Trinkgeld. Doch so viel war es nicht, um dafür einen solchen Service zu gekommen.  Am nächsten Tag schenkte er mir zwei Götterbilder, die aus Holz geschnitzt waren. Einige Tage später fuhr ich zur Insel Lembogan, wo es nichts weiteres zu tun gab als zu Schwimmen und auf das Wasser zu sehen. Meine Reise ging langsam zu Ende. Made wollte mit mir baden gehen. Am nächsten Tag hatte er frei. Wir verabredeten uns ein Stück vom Hotel entfernt am Meer. Wir trafen uns wie vereinbart und stiegen aus unseren Kleidern um ins Wasser zu gehen. Wie zwei kleine Kinder spritzten wir uns mit Wasser an und schwammen anschliessend gemeinsam ins Meer hinaus. Dann setzten wir uns an dem Strand und redeten. Anschliessend wanderten wir zur Ortschaft, um auf eine Terrasse eine Cola zu trinken. Später schlenderten wir den Läden entlang. Made blieb vor einem

Ruhiges Strand von Sanur

Schaufenster stehen  wo er lange ein T-Shirt betrachtete.

Als er wieder weiter gehen wollte, zog ich ihn ins Geschäft und kaufte ihm das Shirt. Zuerst wollte er es nicht annehmen, doch nach langem Überreden nahm er es und zog es sofort an. Er war stolz wie ein kleines Kind.

Der Tag des Abschieds war gekommen. Made stand mit einem traurigen Gesicht schweigend vor mir. Ich kniff ihm in die Wangen und sagte:“ Du bist der beste Zimmerboy den ich je hatte.“ Dann stieg ich ins Taxi, um mich zum Flughafen fahren zu lassen.

 
 

 

  Joyce

 

Joyce Frey - Julien ,  Autorin des Romans  " Das verwundete Mädchen" 
ISBN 3-89950-036-9. Ausgabe von Fischer und Fischer - Frankfurt 

 
037.2005