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Sumatra
Text: Joyce Frey
Reisezeit: Februar 1997

   

 

     

Start Indonesien

Bali

Java

     
Am Nachmittag erreichte ich Medan. Vor dem Flughafengebäude stand ein junger Mann mit einem Zettel in der Hand, den er hoch hielt und worauf mein Name von Hand geschrieben stand. Obschon hier reger Betrieb herrschte, hatte ich ihn sofort
gesehen und ging zu ihm, um mich vorzustellen. Sein Name war Moses.
Er winkte einen Chauffeur heran, der weiter entfernt wartete. Er fuhr das Auto zu uns und wir konnten einsteigen um zum Hotel zu fahren. Da heute noch keine Weiterreise bevorstand, machte ich es mir nach einen anstrengenden Reise durch Java am schönen Swimmingpool, der in einem Park mit prächtigen Blumen und Palmen stand, bequem. Auch den nächsten Morgen hatte ich noch frei, und ich erholte mich an den Pool. Später machte ich mich bereit um weiterzureisen. Vor Mittag holte Moses mich ab. Das weisse Auto stand vor der Tür. Mein Gepäck wurde eingeladen und wir konnten einsteigen. Bevor wir die Stadt verliessen, fuhren wir über einen Kreisel, wo an der Strassenseite eine lebende Fledermaus mit einem Seil an einem Pfosten festgebunden war und die den Gestank der Autos den ganzen Tag einatmen musste. Ich fragte, was das sollte? Moses erklärte mir in gutem englisch, dass die Fledermäuse eine gute Medizin gegen Asthma seien.
Vor allem die Chinesen kochten eine Suppe daraus.

Ich meinte: „Die Chinesen müssen erst recht Asthma bekommen,

Medan Moschee

wenn sie diese Fledermaus verzehren, die den ganzen Tag die Rauchwolken aus den alten Autos, einatmen müssen.“ Zuerst fuhren wir zu einer Moschee und dann zum Sultanspalast Maimoon, wo auch jetzt noch der Sultan wohnt.
Maimoon
Sultanspalast
in Medan
Dann gingen wir essen. Danach fuhren wir durch prächtige grüne Regenwälder nach Brastagi. In einem Batakdorf konnte ich sehen, wie die Menschen hier lebten. Die Häuser waren auf Pfählen hoch über der Boden gebaut.
 Sie bestanden nur aus einem einzigen grossen Raum.  Dort wurde gekocht, man unterhielt sich und  Oma und Opa, Tante und Onkel, Eltern, Kinder und Kleinkinder lebten alle zusammen. Wenn ein Pärchen etwas von einander wollte, musste es nach draussen gehen, wenn sie keine Zuschauer haben wollten. In den Reisfeldern stand ein kleines Häuschen, in das sie sich zurückziehen konnten, falls es nicht schon besetzt war.
Am folgenden Morgen sollte ich wieder einen Palast besuchen.
Eine Schulklasse hatte dasselbe Schicksal. Aber schon bald bekamen wir mehr Interesse aneinander als am Leben des Sultans. Die Kinder stellten mir Fragen, die ich zu beantworten versuchte. Der Lehrer mahnte die Klasse zur Aufmerksamkeit, und Moses tat bei mir dasselbe.
Wir hörten einen Moment zu, doch wir blickten immer wieder verstohlen zueinander.
Als die Lektion beendet war, kamen die Kinder wieder zu mir. Moses und der Lehrer liessen uns einen Moment diesen Spass.
Dann wollte ich ein Bild von der Schar machen und ging ein Stück weiter.

Batakuis op palen. Geen privacy !!

Ich musste mich beeilen abzudrücken, weil die Kinder immer näher kamen.

Batakhaus

Als wir weitergehen mussten, sagte ich den Kindern auf Wiedersehen. Nach dem ersten Schritt fasste Moses mich an Hand um mich zu halten. Inzwischen hatten die Kinder sich in einer Reihe aufgestellt, und weit über zwanzig klare Stimmen sangen unter
der Leitung des Lehrers ein Lied für mich. Ich hatte zu kämpfen mit Tränen der Rührung. Als das Lied fertig war, dankte ich den Kindern auf Wiedersehen. Nach dem ersten Schritt fasste Moses mich an Hand um mich zu halten. Inzwischen hatten die Kinder sich in einer Reihe aufgestellt, und weit über zwanzig klare Stimmen sangen unter der Leitung des Lehrers ein Lied für mich. Ich hatte zu kämpfen mit Tränen der Rührung. Als das Lied fertig war, dankte ich den Kindern und winkte ihnen nach als wir in verschiedene Richtungen gingen. Mein Reiseleiter wollte mich etwas fragen, aber meine Stimme versagte. Er legte seinen Arm über meine Schultern und schweigend gingen wir weiter. Nun wusste ich, dass mein Privatreiseleiter ein guter Freund war. Jahrelang hatten wir später noch miteinander korrespondiert. In Brastagi angekommen, gingen wir auf ein Boot um zur Insel Samosir zu fahren, welche in einem Kratersee lag. Moses hatte mich schon auf das Boot gebracht und verschwand dann kurz.

Insel Samosir

Als er sich neben mich setzte, öffnete er eine braune Papiertüte
 und holte frische Lischees heraus. Er demonstrierte, wie man sie am besten öffneten. Er nahm eine in die Handfläche und drückte mit der anderen Hand dagegen. Die Schale öffnete sich. Ich machte es ihm nach und genoss die Frucht, die gerade vom Baum gepflückt worden war. Sie schmeckte himmlisch. Wir verzehrten den Inhalt der Tüte, und hatten anschliessend klebrige Finger. Aus meiner Handtasche nahm ich die Erfrischungstüchlein, die ich im Flugzeug bekommen hatte, damit wir uns reinigen konnten. Als das Boot vor meinem Hotel anhielt, kam ein Boy herbeigerannt um meinen Koffer entgegen zu nehmen. Moses überlies mich ihm und sagte, wann er wiederkommen würde. In diese Insel verliebte ich mich auf den ersten Blick. Mein Zimmer war ein kleines Häuschen im Stil des Landes. Es stand am Ufer des Sees, davon getrennt durch eine Blumenterrasse, auf der die schönsten Blumen in verschiedenen Farben blühten. Am Nachmittag legte ich mich auf eine Liege auf dem Plateau über dem See beim Hotel. Später kamen zwei Deutsche.
Wir unterhielten uns lange miteinander und entdeckten, das wir die selbe Reise vor uns hatten.  Am Morgen wanderten Moses und ich zum See. Dort lag ein Boot mit den Namen “Queen.“ Das fand ich schön und ich erzählte, dass ich ein grosser Queen-Fan bin. Aber noch schöner war es, das Boot für uns alleine zu haben. Wir setzten uns unter die Plastikplane, die vor der Sonne schützte. Wir redeten über unser Leben. Einige Malen gingen wir an Land um kleine Batakdörfer zu besichtigen. Ich bewunderte die Häuser, die bis zu sechs Meter über dem Boden gebaut waren. Die Dächer die einem Zelt glichen, waren höher als die Wohnräume selber. Weiter sah ich Königsgräber und einen Palast. In einen anderen Dorf standen Steine in einen Kreis. Dort wurden früher Verbrecher verurteilt. Die Todesstrafe bestand darin, von Kannibalen gegessen zu werden. Später fuhren wir zu einer

Batakdorf

anderen kleinen Insel.
Hier verbrachten viele Hochzeitspärchen ihre erste Nacht zusammen. Wir gingen essen und unterhielten uns dabei gut. Moses gestand Angst gehabt zu haben, als er erfuhr, mit einer Frau allein zu reisen.
Er war sich sonst Gruppen gewöhnt. Er hatte sich vorgestellt, dass ich eine schreckliche Person hätte sein könne. Aber nun genoss er unsere Reise zu zweit. Hinzu kam der Chauffeur, der uns später an Land wieder abholen wurde. Inzwischen hatte er herausgefunden was mich interessierte und was nicht. So konnte er das Programm nach meinem Wusch gestallten. Nach dem Essen und Plauderstunden wanderten wir um die Insel. In Zehn Minuten waren wir wieder beim Hotel. Dann gingen wir zum Boot.
Gegen Abend erreichten wir unsere Hotel. Die Deutschen waren schon lange da, obschon sie eine Stunde später als ich abgereist waren. 
Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Boot nach Prapat, wo ein farbenfroher Markt zu besichtigen war.

Nach einigen Besichtigungen erreichten wir Sipirok.

Markt auf Sumatra

  Nach dem Essen hatte ich noch Zeit zum herumlaufen. Mein Chauffeur und Reiseleiter interessierten sich für jemanden, der an einem Motorrad am Basteln war. Ich genoss unterdessen das Leben auf der Strasse. Jeder grüsste mich freundlich, als wäre ich eine Königin.  Einige Schüler hielten mich an, um ein paar Fragen zu stellen. Einer wollte wissen, wie ich hierhin gekommen war. Ich antwortete: „Mit dem Fahrrad.“ Die anderen Kinder lachten darüber.
Ein Junge nahm eine zerknitterte Weltkarte aus seiner Tasche und wollte wissen wo mein Land lag. Ich legte meinen Finger auf die Schweiz.
Die Kinder konnten es kaum verstehen, dass es möglich war, so weit zu reisen. Als Moses mich rief, schüttelte jedes Kind meine Hand und bedankte sich für das Gespräch. Eine lange Reise stand uns nun bevor. Wir fuhren über Berge und an Reisfeldern vorbei bis Panangsidempuan erreicht wurde. Auch am nächsten Tag stand eine  lange Reise bevor. Doch Moses liess dem Chauffeur öfter anhalten, um uns ein Stück spazieren zu lassen. Einmal konnten wir zusehen, wie ein Affe auf eine Palme geschickt wurde, um Kokosnüsse zu pflücken. Wir fuhren weiter über Bergen und durch Urwälder. Es war wunderschön.

Reisfelder auf Sumatra

Wieder mussten wir über einen Berg.
 In einer Kurve konnte ich sehen, dass ein Lastwagen von oben herab kam. Irgend etwas liess mich ahnen, dass hier etwas schiefgehen würde. Der Lastwagen kam näher während wir bergauf fuhren. Ich konnte voraussehen, dass der Laster genau auf der Seite, wo ich sass, in unser Auto knallen würde. Ich sah den Abgrund neben mir und das Gefährt, das auf mich zu kam. Ich
dachte, wir würden nach unten sausen. Als der Laster noch näher kam, konnte ich nur noch sagen: „O oh,“ und schoss auf die andere Seite vom Sitz. Dann krachte es genau auf der Seite, wo ich gesessen war. Doch das Auto blieb stehen. Die Männer stiegen aus, um den Schaden zu betrachten. Während sie friedlich mit einander diskutierten und Adressen aufschrieben, stieg ich auch raus, um zu sehen wie gross der Schaden war. Mein erste Gedanke war: „Da wird der Chef des Reiseunternehmens keine Freude haben.“ Langsam fuhren wir weiter an einem prächtigen Tal vorbei und erreichten schliesslich den Äquator in Bonjol. Die nächste Übernachtung war in Bukittinggi, wo ich auch die Deutschen wieder traf. Sie mussten durch das Land gerast sein, denn immer fuhren sie später ab und waren viel früher wieder im Hotel als wir.
Sie hatten keinen Kontakt mit den Menschen gehabt.Sie waren auch nicht durch Regenwälder spaziert und nicht über eine

Bambusbrücke gewandert.

Urang Utang

Sie hatten keine wunderschönen Vögel, Schmetterlinge Blumen und Bäume gesehen. Auch hatten sie die Stelle nicht betrachten können, wo der Reiseleiter als kleiner Knabe mit seinem Vater geangelt hatte.
Sie hatten nur ein Land an sich vorbei rasen sehen.
Ich war froh, am nächsten Morgen die Stadt wieder verlassen zu können, denn hier gefiel es mir gar nicht.
Wir hatten ein neues Auto bekommen. Als ich fragte, ob der Chef verärgert wegen des Schadens war, meinte Moses, er sei froh gewesen, das wir unverletzt davongekommen seien. Zuerst gingen wir zu einem Silberschmied, wo ich mir ein paar hübsche Ohrringe kaufte. Dann fuhren wir über einem Weg mit vielen Kurven. Einmal mussten wir anhalten, weil eine grosse Schlange sich über den Weg schlängelte. In der Wartezeit konnte ich Affen in den Bäumen schreien hören. Wir hielten am prächtigen See von Sinakarak an, um einen Spaziergang zu machen.
Am frühen Nachmittag erreichten wir auf einem Weg dem Meer entlang Padang.
Nicht weit entfernt war mein Hotel. Hier musste ich Abschied von Moses und den Chauffeur nehmen. Ich hatte mit Tränen zu kämpfen, denn
ich hatte beide in dieser Zeit sehr lieb gewonnen. Doch meine Reise war noch lange nicht zu Ende. Nach zwei Wochen unterwegs, hatte ich endlich das Meer erblickt und wollte es wieder finden.

Moderne Archtektur in Panang

 Ich schlenderte an einem Park vorbei.

Dann in einer Strasse geradeaus. Das Meer war nicht zu sehen. Ich bog in eine Strasse nach links ein und an deren Ende lag das Meer. Ich glaubte, den Zurückweg leicht wiederzufinden. Zuerst setzte ich mich auf eine Bank und sah den Wellen zu, die sich rauschend dem Strand näherten. Ein Junge von circa 14 Jahren fragte, ob er sich neben mich setzen dürfte. Ich sagte „ja“. Er reichte mir die Hand und nannte seinen Namen. Er stellte mir Tausende Fragen und erzählte aus seinem Leben. Allmählich hatte ich genug von unserer Plauderstunde und sagte, dass ich weitergehen wollte. Er schüttelte mir wieder der Hand und bedankte sich für das Gespräch. Ich  glaubte, mein Hotel schnell wiederzufinden. Doch das war ein Irrtum. Ich ging Strassen auf und ab, nach links und rechts, nach Norden und Süden. Aber die Autobahn, worüber ich gehen musste, um in das einsam gelegene Hotel zu kommen, fand ich nicht mehr. Ich erreichte eine hektische Stadt. Je mehr ich versuchte, die Ruhe wiederzufinden, um so lauter wurde es. Ich fragte einen Mann nach dem Hotel. Er kannte es nicht. Eine Frau verstand die englische Sprache nicht. Auch ein grosser Junge konnte mir nicht weiter helfen. Schliesslich entdeckte ich ein Taxi an der anderen Strassenseite. Mit pochendem Herzen versuchte ich durch den endlosen Verkehr über die Strasse zu kommen. Ich hatte es geschafft. Der Chauffeur kannte das Hotel. Ich stieg ein und bekam sogleich Angst, durch den verrosteten Boden zu sinken. Auch hielt ich die Tür fest, damit sie nicht abfiel. Es dauerte nur wenige Minuten, bis ich vor meinem Hotel aussteigen konnte.

Am nächsten Morgen wurde ich zum Flughafen gebracht, um zum vierten Mal nach Jakarta zu fliegen. Von dort aus sollte es weiter nach Denpesar gehen, wo ich hoffte, zwei Wochen ruhigen Badeurlaub zu machen. Doch dort warteten weitere Abenteuer auf mich.

 

  Joyce

 
 

Joyce Frey - Julien ,  Autorin des Romans  " Das verwundete Mädchen" 
ISBN 3-89950-036-9. Ausgabe von Fischer und Fischer - Frankfurt 

 
039.2005