Portugal - Sagres - Monchique

Sagres - Monchique
Text: Joyce Frey
Reisezeit: August 2005

Portugal

 

     
 
Am frühen Morgen wurde ich vor dem Hotel von einem Bus abgeholt. Wir Reisenden bestanden aus eine Gruppe von Deutschen und Holländern. Unterwegs wurde in beiden Sprachen erzählt. Ich konnte hinhören wann ich wollte, da mir beide Sprache geläufig sind.
 


Zentrum von Lagos

Den ersten Halt machten wir in Lagos. Dort besichtigten wir zuerst die Statue von Heinrich dem Seefahrer und die Kirche von San Antonio.

Die Italiener behaupten zwar, dass Antonius ihr Heiliger ist, aber die Portugiesen bestehen darauf, dass Antonius ihr Heiliger ist. Hier soll er nicht nach verlorenen Gegenständen suchen, sondern Liebende zusammen bringen und ihnen ein langes und glückliches Leben gewähren. Die Kirche ist klein und voll mit Holzschnitzereien, die vergoldet sind. Sie wirkt überfüllt und erdrückend.

Hier in der Nähe soll früher ein Sklavenmarkt abgehalten worden sein. Portugal soll das erste europäische Land gewesen sein, das die Sklaverei eingeführt, aber auch als erste verboten hatte. Nach der Besichtigung hatte ich noch Zeit, mir den Ort anzusehen. Ich spazierte an den alten Stadtmauern vorbei und am Fluss entlang, bevor ich wieder in den Bus stieg.

Dort wurde erzählt, dass nach der Sturmflut und dem anschliessenden Erdbeben von 1755 der grösste Teil der Stadt verwüstet war, wie auch viele andere Orte in Portugal.

Die Fahrt ging weiter nach Sagres, wo wir die prächtigen Felsformationen betrachteten. Unterwegs waren trotz der Dürre Feigen- und Mandelbäume zu bewundern, die sehr gesund aussahen.
 


Feigenbaum

Es gibt zwei Arten von Mandelbäume; solche mit weissen Blüten und rosaroten. Die eine gibt Bittermandeln, woraus Likör gemacht wird und die anderen liefern süsse, die für feinen Cremes und Marzipan benutzt werden.

Zehn Kilometer weiter ist der südwestlichste Punkt Europas, das Ende des Festlandes. Am Ende der Felsen steht die Einsiedelei Cabo de São Vicente, wo Heinrich dem Seefahrer forschte im dienste der Seefahrt.

Ein heftiger Wind fegte über den Felsen.


Mandelblüten


Ich wollte nahe an die Klippe gehen, um das Meer, das 80 Meter tief unter mir toste, zu sehen. Aber all zu nahe wagte ich mich nicht. Denn der kalte Wind war so stark, dass er mich mit meinem Fliegengewicht leicht davon blasen konnte. Auf den Felsen waren auch Verkaufstände, wo warme wollene Stricksachen verkauft wurden. Sie liessen mich an Bolivien denken.
 
Wir stiegen wieder in den Bus, um Badeorte zu besuchen, wo kleine, idyllisch versteckte Strände zwischen den Felsen liegen.

Dann ging die Fahrt zurück nach Lagos, wo wir essen sollten. Ein Mittagsmahl mit Fleisch oder Fisch, das wir im Bus bestellen mussten, wurde für elf Euro offeriert mit Getränken nach Wahl und Quantum, Dessert und Kaffe gab’s zum Schluss.

Wir wurden vor dem Restaurant Adega da Marina abgesetzt. Es sah gemütlich aus. Auf der Strasse standen Tische und Stühle. Wir waren zu viele Leute, um uns dort niederzulassen und mussten hinein gehen. Zwei grosse Säle standen voll mit Bänken und langen Tischen. Wir wurden zu unseren Plätzen dirigiert. Ein Tisch war für die Holländer und der andere für die Deutschen, zu denen ich auch eingeteilt worden war.


Cabo de São Vicente


Sofort wurden Krüge mit Bier und Wein auf den Tisch gestellt, wie auch Flaschen mit Mineralwasser und süsse Getränke.
Auch das Essen wurde schnell serviert und es schmeckte gut. Aber hier herrschte ein Radau, als befände man sich in einer riesigen Markthalle. Nach dem Essen blieb kaum Zeit übrig, sich die Gegend anzusehen. Wir stiegen in den Bus, um ins Landesinnere zu fahren.
 


Gebirge von Monchique

Zuerst in das Gebirge von Monchique, das neunhundert Meter hoch ist. Für mich war es ein Hügel, aber die Holländer sahen schon einen Berg vor sich.

Unterwegs waren viele Korkbäume zu sehen. Diese Exemplare werden alle neun Jahre von ihren Rinden befreit. Wenn sie frisch geschält sind, zeigt der Stamm eine rote Farbe, die im Laufe der Jahre immer dunklerer wird. Aus dem Kork werden Zapfen für den teuren französischen Champagner und Wein gemacht, wie auch für andere Gegenstände.


Korkeiche


Die Bäume sahen traurig aus. Die dicken Äste, die zum Himmel empor ragten, wirkten als flehten sie um Hilfe, weil ihnen die Hosen ausgezogen waren. Unten wirkten sie so nackt.
 
Obschon Monchique nicht weit von der Küste entfernt liegt, ist das Klima hier anders. Hier ist es kühler und es regnet öfter, was auch andere Gewächse gedeihen lässt wie Bananen, Mimosen und Rhododendron. Sehr wichtig ist der Sandbeerbaum, aus deren Früchten der Medronhoschnaps gemacht wird. Weiter wachsen Pinien und Eukalyptus.

Die Eukalyptusplantagen sind sehr umstritten. Sie sind zwar rentabel wegen dem Öl, das für medizinische Zwecke daraus gewonnen wird. Aber die dünnen dürren Stämme sind leicht brennbar, was in dieser relativ trockenen Region doch eine Gefahr sein kann.

Weiter ging die Fahrt nach Silves. Hier konnten wir uns endlich richtig bewegen. Die Leiterin lief mit uns die Strasse hinauf. Immer mehr Leute resignierten. 


Silves


Nur wenige waren bis nahe dem höchsten Punkt der Stadt mitgekommen. Auch die Leiterin war nicht weiter nach oben gegangen. Sie zeigte uns die Kirche und die Festungsmauern. Die wenigen aus der Gruppe, die noch übrig geblieben waren, gingen weiter nach oben.
 


Burg über Silves

An der Kirche ging jeder vorbei. Wir wanderten weiter zur Burg, die auf dem höchsten Punkt des Hügels steht.

Sie hat eine lange Geschichte hinter sich und ist schon durch viele Erdbeben zerstört worden. Aber sie war teils wieder renoviert worden.

Dort angekommen, bezahlten wir den Eintritt, um über die Mauern laufen zu dürfen. Ich machte die Wanderung über die Mauern von Turm zu Turm und sah mir die Landschaft in allen Richtungen an. Auch das Städtchen unter mir war zu erkennen, so wie der Fluss, der kaum noch Wasser enthielt. Er wirkte eher wie eine Schlammlawine.
 
Wie ungerecht es doch auf der Welt verteilt ist. In meinem Land werden die Menschen durch Überschwemmungen vertrieben, und hier droht ein Land zu verdursten. Ich hatte den Rundgang beendet und begab mich ins Städtchen.

Viel Zeit blieb mir nicht übrig. Ich hatte noch eine Bronnen gefunden, wo grosse Steinfiguren standen. Darüber waren die Kirche und Überbleibsel der Burg zu sehen.


Römischer Brücke in Silves


Dann ging ich zur verabredeten Stelle um mit den anderen wieder in den Bus zu steigen. Es ging gegen Abend zu, als wir Albufeira wieder erreichten.
 


 


 
Joyce