Schweiz - Locarno

Locarno
Text: Joyce Frey
Reisezeit: Oktober 2005

Schweiz - Tessin

 

 

 

 
 
Am frühen Morgen fuhr ich mit dem Zug von Appenzell, via Herisau und Arth- Goldau, nach Locarno. Die Fahrt ging durch eine prächtige und abwechslungsreiche Berglandschaft.
In Locarno angekommen suchte ich zuerst nach einem günstigen Hotel und fand schon schnell das „Gottardo“, nicht weit hinter dem Bahnhof, wo ich in den nächsten Tagen von der Inhaberfamilie liebevoll verwöhnt wurde.

Es war schon Nachmittag, als ich meine Umgebung auskundschaften ging.
Nicht weit entfernt lag der See in seiner vollen Pracht, umgeben von Bergen, deren Spitzen schon mit Schnee bedeckt waren.
Dann wanderte ich durch den Park mit Palmen und Skulpturen und gelangte schliesslich auf die Piazza Grande, wo reger Betrieb herrschte.
Unter den Arkaden gibt es Läden sowie viele gemütliche Terrassen und Restaurants.
Später schlenderte ich durch die Hintergassen, wo ausser im Bereich rund um de Kirche, nichts los war.
Die ersten Eindrücke hatte ich somit in mir aufgenommen und wusste bereits, dass es mir hier gefiel.

Hotel Gottardo

 
Nach dem Frühstück entschloss ich mich nach Ascona zu wandern, das nur vier Kilometer weiter entfernt liegt.
Ein Stück ging es den See entlang. Dann musste ich landeinwärts den trockenen Fluss entlang gehen.

Über die erste Brücke konnte ein Fussgänger nicht gehen, weil es eine Autobahn ist. Ein Stück weiter war eine andere Brücke, die ich benützen konnte.

Nach anderthalb Stunden hatte ich die vermeintlich wenigen Kilometer bewältigt. Ich hatte Ascona erreicht.
Zuerst genoss ich die Ruhe im verlassenen Lido und sah auf den See und zu den Bergen. Es war eine Idylle für sich.
Dann ging ich weiter, aber in der falschen Richtung, und kam beim Hafen an.


Aussicht von Ascona


San Pietrokirche in Ascona

Die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite, was mich entschliessen liess, auf der Terrasse des Restaurants etwas trinken zu gehen.

Nach der Rast ging ich wieder zum See entlang zurück,
Die Ortschaft liegt an einer schmalen Bucht am Lago di Maggiore.

Am See entlang stehen Bänke auf einer Reihe.
Dahinter sind Terrassen, die einladend wirken.

Als ich später die Hintergassen durchstreifte, entdeckte ich einige Läden und Wohnhäuser der Einheimischen, wie auch die hübsche Kirche San Pietro sowie eine Buchhandlung und die Tourist Information dahinter, die eine beachtenswerte Fassade hat, worin Gestalten eingemeisselt sind.

Nach dem Spaziergang setzte ich mich auf eine der Bänke am See und konnte beobachten, dass der zu früh gefallene Schnee bereits wieder schmolz.
Bevor der Abend anbrach, fuhr ich mit dem Schiff nach Locarno zurück.

Mit dem Bus fuhr ich am nächsten Tag nach Brissago, um von dort zu den Brissagoinseln zu gehen.
Die Ortschaft besteht aus einer langen Strasse.
Wie überall hier stehen Wohnhäuser bis weit oben am Berghang. Ich ging über die Strasse zur Promenade, die ein Stück tiefer liegt.

Dort wollte ich mir ein Ticket für das Boot zur Überfahrt besorgen.
Die nette Frau sagte, dass sie nur ein Ticket nach Ascona via die Inseln verkaufen könnte. Wenn ich direkt fahren wollte, müsste ich mit dem Bus zurück nach Porto Ronco gehen.
Also ging ich zurück zur Strasse und suchte die Bushaltestelle.
Ein Kleinbus hielt an. Ich sagte, dass ich nach Ronco fahren wollte und zeigte
dem Chauffeur mein Ticket.

 
Auracaria auf der Brissagoinssel


 

 

 

 



Überfahrt zur Brissagoinsel

Es war aber nicht gültig für diesen Bus, aber für einen Franken durfte ich mitfahren.
Nachdem ich das Eintrittgeld bezahlt hatte, machte ich mir auf den Weg, um die üppige Vegetation zu bewundern. Gewächse aus der ganzen Welt gedeihen hier.
Lange Zeit verweilte ich auf der kleinen Insel. Ich bewunderte nicht nur die vielfältige Natur auf engsten Raum, sondern genoss auch die herrliche Aussicht auf die Berge und den See. Später fuhr ich mit dem Schiff wieder zum Festland und schon bald kam der Bus. Wieder in Locarno angekommen, musste ich dringend zu einem „Örtchen“ gehen. Ich hatte beim kleinen Park mit einem Brunnen mitten drin, wo finsteren

Gestalten sich aufhielten, und von denen ich sofort den verdacht hatte, dass sie Junkies waren, eine öffentliche Toilette gesehen.
Ich ging dorthin. Es sah nicht sehr einladend aus. Vor allem, als ich neben dem Pissoir ein grosses Plakat sah, wo eine Spritze abgebildet war mit einem Pfeil darunter, der zu einem Behälter zeigte.

Am nächsten Morgen kaufte ich mir am Automaten am Bahnhof eine Fahrkarte nach Cevio. Eine kleine Ortschaft in der Vallemaggia.
Ich befürchtete schon, einen steilen Bergweg hinauf gehen zu müssen. Aber eine gute, breite Strasse führte dahin.

Der Weg ging der Maggia entlang, in deren breitem Flussbett ein dünnes Rinnsal hinunter floss.
Cevio liegt einsam in den Bergen. Es besteht aus einer langen Strasse, an deren Ende idyllisch das Krankenhaus liegt

Am Anfang des Dorfes stehen ein Museum und einige Häuser.
Dann folgt die Kirche. Dahinter stehen einige echte Tessiner Häuser am Berghang, die aus grauen Natursteinen gebaut sind.

Auf meinem Spaziergang hinter das Dorf ging ich über einen Teppich von heruntergefallenen Marronen. Schnell hatte ich hier alles gesehen und suchte die Bushaltestelle.
In der Wartezeit drehte ich mich um meine eigene Achse und sah überall wunderschöne Berggipfel.
Von einem der Gipfel donnerte sogar ein Wasserfall tief hinunter.

Wieder in Locarno angekommen, machte ich noch eine Schifffahrt bis Brissago und zurück.
Das Schiff fuhr Zick-Zack über den See, um an kleinen Ortschaften anzuhalten.

Museo Di Valmaggia

Ich genoss nach wie vor die herrliche Sicht auf die Berge und lies mich dabei von der strahlenden Sonne wärmen. Dabei dachte ich:“ Ich brauche gar nicht um die Welt zu reisen, um das Paradies zu suchen. Es liegt ja ganz in der Nähe.“


 
Joyce