Schweiz - St. Gallen

St. Gallen
Text: Joyce Frey
Reisezeit: Juli 2005

Schweiz - St. Gallen

 

 

 

 
 
Es war ein kühler Tag; kein Wetter, um ins Schwimmbad oder in die Berge zu gehen, denn es drohte zu regnen. Ich als geborene Holländerin lebte schon seit Tagen ohne Lakritze. So wie viele Holländer bin ich süchtig danach.
Also entschloss ich mich in die Stadt St. Gallen zu fahren, wo sich der einzige Laden  befindet, den ich kenne der diese Drogen verkauft. Am Nachmittag stieg ich deshalb in die Appenzellerbahn, um nach St. Gallen zu fahren. Die Zugfahrt allein ist schon ein Erlebnis für sich. Es geht an einer prächtigen Landschaft vorbei mit Hügeln und Tälern. Farbenfrohe Bauernhöfe mit vielen Blumen auf den Fenstersimsen sind zu sehen. Auf saftigen Wiesen grasen Kühe und Schafe. Überall fliessen romantische Bäche. Doch der Höhepunkt der Fahrt liegt kurz vor der Stadt. Dort muss der Zug sein Zahnrad einklinken, weil eine steile scharfe Kurve folgt. Es ist die steilste und engste Kurve in Europa mit einem Gefälle von zehn Prozent und einem Radius von 30 Metern.Von oben konnte ich auf die Stadt sehen, die langgezogen zwischen Hügeln eingeklemmt liegt.

Appenzellerbahn bei Meistersrüte

In der Kurve konnte ich die Menschen in den Waggons vor mir sehen. Schnell ist der Zug unten. Das ganze Stück, das der Zug mit dem Zahnrad bewältigen muss, hat nur eine Länge von 940 Metern, Also nicht einmal einen Kilometer. Am Bahnhof angekommen stieg ich aus und ging zum Klosterviertel, wo ich schon lange nicht mehr gewesen war. Dort herrschte Ruhe und Friede. Einige Menschen sassen auf den Rasen vor der Kathedrale, die zwischen 1755 und 1767 gebaut wurde.  Auch auf den Bänken sassen Menschen, welchen die  Ruhe genossen. Auch ich setzte mich und genoss die Ruhe mitten in der Stadt. Nur ein rasender Fahrradfahrer störte die Idylle. Ich sah zu den Türmen die mit ihren 68 Metern Höhe die Häuser überragen. Dann blickte ich zum Kloster, das schon viel älter war; es wurde zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert gebaut. So kam in Laufe der Jahre immer wieder Neues dazu, so das es zu einem ganzen Stadtviertel heran wuchs. Nach einer Weile spazierte ich zur Kathedrale und öffnete die schwere, mit Holzschnitzereien

bearbeitete Tür. Ich sah zur Decke, die mit Bemalungen verziert

St. Galler Kathedrale

ist und zu den Säulen, mit weiteren Holzschnitzereien. Am Altar glänzt alles goldig. Durch die vielen Fenster kommt viel Licht herein, die den Raum je nach Tageszeit, anders wirken lässt. Schade, dass nicht gerade jemand die Orgel
spielte, denn die Akustik ist hier phantastisch. Ich erinnerte mich, dass in der Nähe eine Seilbahn sein musste und verliess deshalb die Kathedrale um dahin zu gehen. Schnell hatte ich die Bahn wieder gefunden. Ich steckten Münzen in den Automat um eine Fahrkarte zu ösen. Zwei andere Frauen warteten auch schon da. Die Bahn kam von oben aus einem dunklen Loch und fuhr noch ein Stück an einem Wasserfall vorbei. Wir konnten einsteigen. Die neue, moderne Kabine mit viel Fenstern stieg neben der Wasserfall  in die Höhe und wurde dann vom dunklen Loch verschluckt. Dort nützen die Fenster nichts, weil es stockdunkel ist. Doch schon bald erreichten wir die Endstation und stiegen aus. Ich ging über die Strasse, um die Enten im Weiher zu begrüssen. Weiter waren hier nichts als Läden und Häuser zu sehen. Also schlenderte ich den steilen Weg hinab an hübschen Häusern, dem Mühlebach und dem Wasserfall vorbei wieder zur Stadt und kam

Mühleggbahn vorm dunkle Loch

in der Nähe des Klosters wieder an.
Dort spazierte ich  noch einmal herum und überlegte mir, in die Bibliothek zu gehen.
Doch ich sah davon ab, weil ich sie schon einmal gesehen hatte. Ich musste Filzpantoffeln über meine Schuhe ziehen, um den Boden zu schonen. Man sagt, die Bibliothek sei eine der schönsten und ältesten der Welt. Sie wurde in einem prächtigen Rokokostil zwischen 1758 und 1767 gebaut. Bücher aus dieser Zeit und Bände, die noch aus dem Jahr 1000 stammen, sind noch guterhalten zu besichtigen.

Viel Licht strahlt durch 34 Fenster hinein das die herrlichen Malereien an der Decke deutlich sichtbar macht. Wer keine Lust mehr hat die kunstvollen Bücher anzusehen, kann auch eine Mumie betrachten, die dort aufgebahrt liegt.Nach meinem Rundgang im Klosterviertel schlenderte ich zu einer der Strassen hinter dem Kloster und sah zu den kunstvollen, holzgeschnitzten Erkern hoch, die teils noch aus dem Mittelalter stammen. Dann setzte ich mich auf eine der gemütlichen Terrassen um etwas zu trinken. Später ging ich

durch die Stadt und wanderte an vielen Laden vorbei und sah

Stiftsbibliothek

in die Schaufenster.Danach setzte ich mich auf eine Bank unter dem Denkmal von Vadian und sah de Menschen zu die
trotz Warntafeln die Tauben fütterten. Ich beobachtete den Menschen, die vorbei spazierten. Viele Nationalitäten und Sprachen waren zu erkennen. Ich schlenderte zum Bahnhof. Ich war schon beinahe da, als ich mich erinnerte, weshalb ich in die Stadt gefahren war. Der Laden war nicht weit entfernt, wo ich mich mit Lakritze eindeckte. Bevor ich in den Zug stieg, dachte ich daran, wie gemütlich die Stadt in der Weihnachtszeit ist.

Hier ist immer etwas zu erleben. Man nennt St. Gallen nicht nur die kulturellen Stadt, sondern auch die grüne Stadt. Menschen, die in die Stadt gehen möchten, aber auch rasch in der Natur sein wollen, brauchen nicht weit zu gehen. Auf der eine Seite liegen die drei Weiher, die im Sommer zum Baden einladen aber auch schön sind um einen Spaziergang zu machen.
Auf der andere Seite der Stadt liegt der Tierpark Peter und Paul.

Altstadt St. Gallen

Rehe und andere einheimische Tiere sind zu beobachten. Weiter
verfügt die Stadt über viele kleine und grössere Parks. Menschen, die über genügend Zeit verfügen, ist es zu raten an
den Bodensee zu fahren, der nur wenige Kilometer weiter entfernt liegt.Natürlich darf man Appenzell nicht verpassen, das nur 20 Kilometer entfernt liegt. Der Zug war angefahren. Durch ein Rucken spürte ich, dass das Zahnrad eingerastet war.

Die Bahn fuhr über die Steile Kurve nach oben. Bevor wir Appenzell erreichten, bewunderte ich wie immer die herrliche Sicht auf das Alpsteingebiet: ob es nun teils in den Wolken liegt, oder das Wetter so klar ist, das die Berge zum Greifen nah sind. Dieses Bild fasziniert mich immer wieder, wenn ich von St. Gallen heim komme.

 

Alpsteinmassiv


 
Joyce