Spanien - Hinterland Costa Brava

Hinterland Costa Brava
Text: Charles Julien sr.
Reisezeit: Mai 2002 - 2003

Spanien

 

 

 

 
 
Banyoles

Für Sonnenhungrige an der nördlichen Costa Brava, die einen Tag lang Pause vom "Sich-braten-lassen" machen wollen, ist dieser Tagesausflug ins Hinterland eine willkommene Abwechslung.

Etwa auf halbem Weg zwischen Gerona und Figueras an der N 11, also nicht der Schnellstrasse, wo der Fluss Rio Fluvià die Strasse kreuzt, muss man die N 11 verlassen. Aus Richtung Gerona heisst dies links abbiegen, von Figuera her rechts.
Etwas südlich liegt das Dörfchen Bàscara. Die Landschaft ist hügelig und für diese Gegend ungewöhnlich grün. Fast meint man, in den Ardennen zu sein. Es hat viele Wälder und umsäumtes. Hier ist es sehr ruhig. Wenig Verkehr rollt, und gelegentlich fährt ein Pferdegespann vorbei. Das ist gut so, denn die Strasse ist schmal. Einen entgegen kommenden Lastwagen könnte man gerade noch knapp kreuzen.

Etwa einen Kilometer weiter folgt erneut eine Kreuzung. Hier heisst es rechts abbiegen. 13 Kilometer geht die Fahrt gemütlich weiter über eine hügelige Strasse mit überraschenden Fernsichten. Es ist eine Oase von Ruhe und Grün. Etwas weiter zeigt ein Wegweiser nach Banyoles. Das ist unser erstes Ziel. Nach 7 Kilometern über eine belebtere Strasse – allerdings ohne märchenhafte Eindrücke – erreicht man Banyoles.

Dieser elegante, quadratische Platz ist umringt von 40 Arkaden, hinter denen hübsche kleine Läden zu finden sind.
Jeden Mittwoch ist hier Markt – und dies seit dem 13. Jahrhundert.
Doch die meisten Besucher suchen den Lago Banyoles – und dies zu Recht. Dieses Städtchen mit seinen 15'000 Einwohnern hat eine Tradition aufgebaut mit dem Organisieren von internationale Ruderrennen auf dem See.
Jeder Ruderer, ob mit oder ohne Steuermann, wird diese Ortschaft kennen.

Banyoles. Plaça Major

Nahe am dem Städtchen zugewandten Ufer befindet sich eine gemütliche Promenade, die zu einem Spaziergang einlädt. Am Wasserrand schwimmen Karpfen. Es sind so viele, dass man meint, diese von Hand fangen zu können.


Platanenpromenade
entlang dem See.

Das Wasser ist sehr klar. Man kann Ruderboote mieten oder mit grösseren Schiffen eine Rundfahrt unternehmen. Neben der Promenade befindet sich eine Terrasse neben der anderen, was der Szenerie ein fröhliches Aussehen verleiht.
Auf einer dieser Terrassen ein Bierchen zu geniessend und dabei die fröhlichen Touristen und Einheimischen zu beobachten, die vorbei flanieren, ist eine Wonne. Hier kann man es eine Weile gut aushalten.

Es gibt auch einen Touristenzug. Wir kamen gerade noch rechtzeitig, um Plätze im hintersten Wagen zu besetzen. Der Fahrer wollte kein Geld von uns, stattdessen drückte er uns eine Routenbeschreibung in unserer Sprache in die Hand. So konnten wir gut mitverfolgen was erzählt wurde. Als er die Spanier auf die Holländer im hinteren "Coupé" aufmerksam machte, drehten alle den  Kopf zu uns und lächelten. Anscheinend hatte der Fahrer Witze über uns gemacht zur Freude der anderen. Die Fahrt dauert eine gute Stunde – aber um ehrlich zu sein gibt es nichts Sehnenswürdiges. Aber die Leute waren so fröhlich und nett, dass sich die Fahrt sich doch gelohnt hat. Anschliessend genossen wir noch einen Kaffee am Seeufer, um danach weiter nach Besalu zu fahren. Auf einer sehr guten Strasse mit schönen Aussichten
erreicht man die Ortschaft nach einer Fahrt von 12 Kilometern.

Besalú.
Erneut erreicht man den Rio Fluvià. Wenn möglich sollte das Auto am Fluss geparkt werden. Auf der linken Seite gibt es einen kleinen Parkplatz, doch hier stehen meistens Touristencars.
Notfalls gibt es einen grossen Parkplatz auf der rechten Seite, aber dann muss man eine belebte Strasse überqueren. Die erste "Bekanntschaft" mit diesem Ort ist ein Souvenirladen beim Parkplatz. Hier lässt es sich gut verweilen beim Stöbern im speziellen "Krimskrams" aus dieser Ortschaft.

Aber die eigentliche Sehenswürdigkeit des Ortes ist natürlich die Brücke. Diese wird auch die verstärkte Brücke genannt. Sie ist Ende des 11. und Beginn des 12. Jahrhundert gebaut worden. In Laufe der Zeit wurde sie oft repariert, nachdem Kriege und Naturkatastrophen sie zerstört hatten. Der erste Brückenbogen – etwas vorbei am Souvenirladen – ist der Pont Fortificat. Hier geht man über antike Steine zum nächsten Bogen mit einem Gitter, das heruntergelassen werden kann. Es hat immer viele Leute hier, aber ein Besuch lohnt sich.

Portal del Pont.

Die Sicht auf den Rio Fluvià und die Umgebung ist wunderschön.

Dass die Brücke eine Hakenkurve aufweist, hat seinen Grund darin, dass die natürlichen Felsen unter der Brücke als gutes Fundament dienen.

Diese haben ihren Wert schön öfters bewiesen. Von der Brücke hat man eine schöne Aussicht auf die Altstadt. Aber wir gehen weiter, laufen unter dem Portal del Pont hindurch und sind direkt im Mittelalter.

Enge Gassen verlangen die Aufmerksamkeit, wie auch die emsigen Einwohner, die überall versuchen etwas zu verdienen.
Diese Ortschaft ist so klein, dass jede Strasse und Ecke zu finden sind. Auf der Plaza Major – oder Plaza Libertad, wie der Platz auch genannt wird – findet mit etwas Glück ein Markt statt, wo allerhand zu kaufen ist, von exotischen Kräutern bis frischem Landgemüse.

Die verstärkte Brücke aus dem 11./12. Jahrhundert.

Durch enge Gasse und über Treppen erreichen wir auf einem
grossen  Platz die Kirche St. Pere Anric Monestir. Diese Kirche aus dem 12. Jahrhundert gilt als eines der wichtigsten
romanischen Monumente Kataloniens. Wir versuchen hinein zu gehen. Aber das ist nicht möglich.
Nach Einwurf einer Münze geht kurz das Licht in der Kirche an, und hinter einer Glasscheibe kann man kurz sehen wie wertvoll die Kirche ausgestattet ist. winzigen Ortschaft stehen drei grosse Kirchen für ein paar hundert Einwohner. Da kann man sich fragen ob das notwendig ist.

Stimmungsvoller Platz

St.Pere Antic Monestir.

Aber vielleicht haben früher die Edelleute sich durch der Bau einer Kirche zusätzliches "Ansehen" erwerben wollen.
Nach fast jeder Ecke gibt es immer wieder überraschende Ausblicke. Besonders wenn man über einen Umweg zurück zur Brücke schlendert. Wir spazierten in die Tallaferro und bewunderten den Ausblick am Ende. Etwas zurück ist die Muralla de Rocafort. In dieser quirligen Strasse sind Stühle an die Hausgiebel geklebt. Das soll Kunst sein. Nach einem ausgiebigen Besuch in diesen zwei Ortschaften blieb keine Zeit mehr für Gerona.

Der Jahrhunderte alte Marktplatz.

Diesen Ausflug unternahmen wir am nächsten Tag.


Gerona
Wir fuhren von Norden her nach Gerona, oder katalanisch geschrieben Girona, ein. Richtung Centro passierten wir die Brücke über den Riu Onyar. Dann folgt ein Kreisel. Rechts davon befindet sich ein super Parkplatz, den wir benützten weil der nahe am Zentrum liegt. Unter der Bahn hindurch gehts zurück zum Riu Onyar und die erste Brücke, die Pont de Sant Feliu, ist die meist

fotografierte Stelle. Hier stehen farbenfrohe Häuschen am Ufer entlang. Man sieht die Rückseite der Häuser. Es ist nicht möglich zwischen dem Fluss und den Häusern zu wandern. Über den Pont de Sant Feliu kommt man auf die Placa Sant Feliu. Dann gehts nach rechts und man steht im historischen Zentrum der Stadt. In der engen Gasse rechts der Calderers befinden sich hübsche kleine Läden, die dazu animieren zum Einkaufen von "Allerlei".  Besser tut man dies allerdings auf dem Rückweg, denn es steht noch eine Kletterpartie bevor.

Etwas weiter steht das Historische Museum. Von der Stadt bis hier führt ein Weg Richtung Kathedrale und anderen Sehenswürdigkeiten. Viele werden ausser Atem bei der Kirche der H. Felix ankommen. Bei unserem Besuch war sie allerdings geschlossen. Das war auch gut so, denn wir konnten nicht jede Kirche von innen besichtigen.

Das Ost-Ufer des Riu Onyar in Gerona

Wieder rechts, dem Justizpalast entlang, sahen wir auf der rechten Seite eine Pforte.


Die Kathedrale von Gerona.

Wir gingen hindurch. Und wir standen vor der gewaltigen Treppe zur Kathedrale. Wir sind auf der Placa Catadral angekommen. Das Gebäude war jedoch hinter einem Baugerüst versteckt und kam so nicht richtig zur Geltung. Die guten "Kletterer" steigen die Treppe hinauf und blicken von dort hinab auf den Platz mit den vielen gemütlichen Terrassen.

Die Kathedrale ist der eigentliche Blickfang der Stadt. Nicht nur, weil sie schon von weitem zu sehen ist, sondern auch auf jedem Werbeprospekt über die Stadt abgebildet ist. Gerona zählt circa 70'000 Einwohner und gehört zu einer der wohlhabendsten Städte Spaniens.

Oben bei der Kirche kam man Richtung Süden über die Lluis Battle prats spazieren. Wer noch unten bei einem kommen am selben Punkt an:

Kaffee sitzt, benützt die Forcia ein.  Beide

Auf dem Weg zur Kirche St. Felix

In der Cras Peralta. Spätestens jetzt weiss man auch, dass nicht jeder Kirchgänger die vielen Stufen hinauf steigen muss. Hinter der Kathedrale führen nämlich auch noch andere Wege und Gassen nach oben. Hier befindet man sich wirklich im alten Zentrum der Stadt mit ihren diversen Torbögen, Treppen, jahrhunderte alten Häusern und Brunnen. Man fühlt sich in die Vergangenheit zurück versetzt.

Wer noch höher hinauf steigen will, geht links in die Gasse und spaziert zu den Türkischen Bädern oder daran vorbei und erreicht dann die prächtige Baixada de St. Domènec. Beides ist sicher ein Foto wert.

Noch etwas weiter befindet sich die Universität von Gerona. Man könnte hier noch weiter flanieren, aber wir schlenderten durch das "Judenviertel" hinab durch enge Gassen mit vielen Treppen. Zum Glück gehts abwärts fast wie von selbst.

Wir bogen ab in die Richtung des " heutigen Lebens", um den moderneren Teil der Stadt zu erleben. Wir kamen an der gemütlichen Ramba Libertad an. Laden zu finden ist einfach, aber einen freien Platz auf einer Terrasse ist ungleich schwieriger. Es ist sehr belebt. Anscheinend will jeder hier sein. Unter den Arkaden den Läden entlang ist es angenehm kühl. Es lohnt sich, hier Fotos zu machen.

Am Ende der Ramblas ist der VVV. Hier ist auch der Fluss wieder zu

Baixada de Sant Domènec

sehen. Über den Pont de Pedra gelangten wir ans andere Ende der Stadt. Von der Brücke hat man eine herrliche Aussicht auf die Häuser am Ufer und die entfernter gelegene Kathedrale.
Wir gingen nun nach rechts und gelangten in die Calle Santa Clara. Hier ist es auch nett, aber kein Vergleich mit der Atmosphäre am anderen Ufer. Zwischen den Häusern waren moderne Gebäude zu erkennen, die wir eigentlich nicht sehen wollten.
Die erste Gelegenheit zurückzukehren ist über die Eiffelbrücke (siehe nebenstehendes Foto), ein Bauwerk kreiert von Herrn Eiffel. Er konstruierte auch den gleichnamigen Turm in Paris.

Wir beenden hier unsere virtuelle Tour. Es gäbe noch Vieles zu erzählen über die Hauptstadt dieser von Vielen vielleicht unterschätzten Provinz.

Die Eiffelbrücke
über den Riu Onyar

Besuchen Sie diese Stadt doch selber einmal und lassen Sie sich von ihr verzaubern...


Gerona - Girona. Bloss 30 Kilometer ins Landesinnere.

     

Charles.sr

 

Uberzetzung:
Joyce Frey, Sepp Fritsche